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Koblenzer Polizei behandelt Fans wie Menschen

Von Redaktion | 26.September 2010

Juryvotum Koblenz 18.09.2010

Zugrunde gelegter Sachverhalt:

Am 18.09.2010 machten sich ca. 35 Babelsberger Fans bereits gegen 5.30 Uhr mit
einem Fanbus auf den Weg zum Drittligaspiel TuS Koblenz gegen den SV Babelsberg
03. Weitere ca. 40 Babelsberger Anhänger reisten individuell an.

Schon frühzeitig nahm die örtliche Polizei Kontakt zu den im Bus mitfahrenden Fanbetreuern auf, um den Bus – gerade in Zusammenhang mit den Bauarbeiten in Koblenz – sicher zum Stadion leiten zu können. Gegen 12.45 Uhr erreichte der Fanbus den Parkplatz Rheinau in der Nähe des Oberwerth-Stadions. Dort begegneten die Babelsberger einem überschaubaren Polizeiaufgebot. Die Beamten zeigten sich dabei außerordentlich freundlich, begrüßten die Babelsberger und erkundigten sich nach dem Verlauf der Anfahrt. Auf den Wunsch der Fans, noch eine halbe Stunde am Rheinufer zu verweilen, reagierten sie wohlwollend. Harmlose Scherzereien der Fans griffen sie ihrerseits mit Ironie auf, so dass insgesamt eine sehr entspannte Atmosphäre herrschte. Der Koblenzer SKB kam auf die Fanbetreuer und die Fans zu und beschrieb den günstigsten Fußweg zum Stadion. Als sich die Fans ca. um 13.15 Uhr entschieden, den Weg zum Stadion aufzunehmen, wurde die Gruppe von einigen wenigen Beamten begleitet, die in relativ großem Abstand der Gruppe voran- bzw. hinterherschritten.

Am Stadioneinlass gab es eine angemessene Sicherheitskontrolle. Im Stadion wurde den Babelsberger Fans durch die Ordner zunächst untersagt, mehr als nur ein Banner am Zaun zu befestigen. Der Argumentation, dass im Heimbereich auch mehrere Banner hängen würden und dies doch auch im Gästebereich möglich sein müsse, zeigten sich sowohl die Ordner als auch der Sicherheitsbeauftragte der TuS zugänglich, so dass es schließlich den Babelsberger Fans ermöglicht wurde, auch ihre Banner aufzuhängen. Darüber hinaus zeigte sich der Ordnungsdienst auch generell außerordentlich freundlich.

Zu Beginn des Spiel fiel einigen Babelsberger Fans auf, dass auf der Nebentribüne ein Zuschauer mit Thor-Steinar-Jacke saß. Ob das Tragen dieser Kleidungsmarke im Koblenzer Stadion Oberwerth wie in vielen anderen Stadien verboten ist, ist fraglich, ein expliziter „Thor-Steinar-Paragraph“ ist der Stadionordnung nicht zu entnehmen.

Während des Spiels standen am Eingang zum Gästeblock wie auch an den oberen Zugängen im Block Polizeibeamte.

In der zweiten Halbzeit präsentierte die heimische Fankurve ein Banner mit der Aufschrift „Gefahrenspiel Babelsberg? Am Spieltag aus der eigenen Stadt verbannt. Polizei Koblenz außer Rand und Band.“ Von der Einstufung der Begegnung als “Gefahrenspiel” war für die Gästefans wenig zu spüren. Lediglich der Ausschank von nur alkoholfreiem Bier wies in besagte Richtung.

Weiterhin verlief das Spiel ereignislos. Nach dem Spiel wurden die Busfahrer unter den Babelsberger Fans von einer
angemessenen Zahl Polizeibeamten zurück zum Parkplatz begleitet, von wo aus dann die Rückreise gen Potsdam angetreten werden konnte.

Wertung:

Insgesamt kann die Jury zwischen Null (beanstandungsfrei) bis 100 Punkte vergeben. In Städten, die mindestens 50 Punkte (Qualifikationswert) erhalten, besteht grundsätzlich Bedarf an einer weihnachtlichen Fandemonstration.

Nach umfassender Würdigung der Gesamtumstände erhält die Stadt Koblenz

6 Punkte.

Gründe:

Die Jury geht davon aus, dass Fans, die in der 3. Liga oft eine weite Reise auf sich nehmen, um ihre Mannschaft Auswärts zu unterstützen, einen Anspruch haben, möglichst wenig von Polizei und Ordnungsdienst behelligt zu werden. Diesem deeskalierenden Anspruch sind sowohl der Ordnungsdienst als auch die eingesetzten Polizeibeamten in hohem Maße gerecht geworden. Der Umgang mit den Babelsberger Fans war durchweg Gastfreundlich.

Mit einigen sehr geringen Einschränkungen ist der Polizeieinsatz gegenüber den Babelsberger Fans als vorbildlich zu bezeichnen. Warum das Spiel zuvor als störanfällig bzw. „Gefahrenspiel“ eingestuft wurde, ist nicht bekannt. Ein sachlicher Grund für eine solche Einschätzung ist nicht auszumachen. Die daraus resultierenden Einschränkungen für die Gästefans bezogen sich lediglich auf den verordneten Verzicht auf alkoholhaltiges Bier. Inwieweit Fans der Heimmannschaft am Spieltag Opfer von repressiven Maßnahmen wurden, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Generell ist der Erlass von Aufenthaltsverboten gegenüber Fußballfans aber abzulehnen. Dass einige Polizeibeamte während des Spiels im Babelsberger Block standen, war überflüssig. Zwar waren die eingesetzten Beamten durchweg freundlich, dennoch wird eine solche Maßnahme schon generell von einem Großteil der Fans als äußerst unangenehm empfunden.

Abschließend möchten wir noch zwei Empfehlungen aussprechen:
Zum einen würden wir uns wünschen, dass der Verein TuS Koblenz das Verbot von bei Rechtsradikalen beliebten Kleidungsmarken wie Thor Steinar, Consdaple oder Masterrace in seine Stadionordnung aufnimmt. Wie ein Entsprechender Passus aussehen könnte, ist bundesweit diversen Stadienordnungen zu entnehmen. Zum anderen wurde von einigen Polizeibeamten wiederholt der Begriff „schwul“ als Synonym für etwas Negatives verwendet. Homophobe Diskriminierungen sind grundsätzlich abzulehnen. Von daher würden wir uns wünschen, dass die Koblenzer Polizei ihre Mitarbeiter diesbezüglich sensibilisiert.

Gesamttabelle “Polizei im bundesweiten Wettbewerb”

Qualifikationswert erreicht

Potsdam                                                                  77 Punkte (außer Konkurrenz)

Wiesbaden                                                               68 Punkte

Erfurt                                                                       57 Punkte

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Qualifikationswert verfehlt

Ahlen                                                                        27 Punkte

Koblenz                                                                      6 Punkte

Topics: Allgemein | Kein Kommentar »

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